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Unter den Phänologischen Jahreszeiten versteht man nicht die Einteilung in die 12 astronomisch festgelegten Kalendermonate von Januar bis Dezember, sondern die Einteilung in 11 Jahreszeiten, die sich an den Vorgängen in der Natur orientieren: Nachwinter, Vorfrühling, Erstfrühling, Vollfrühling, Frühsommer, Hochsommer, Spätsommer, Frühherbst, Vollherbst, Spätherbst und Winter. Welche kalendarische Zeitspanne die jeweilige Jahreszeit umfasst, ist der folgenden Tabelle zu entnehmen. So beginnt der Frühherbst beispielsweise schon in der 4. Augustwoche, während der kalendarische Herbstanfang erst auf den 21. September festgelegt worden ist.

Selbstverständlich gilt dieser Zusammenhang nur für die mitteleuropäischen Verhältnisse. Am anderen Ende der Welt – in Neuseeland zum Beispiel – würde der Vollfrühling nicht im Mai beginnen, sondern irgendwann im Oktober und die Apfelbäume dürften dort auch erst im letzten Jahresquartal blühen.

Für jede dieser Phänologischen Jahreszeiten wurde außerdem eine typische Zeigerpflanze (Spalte 3 der Tabelle) festgelegt.

 

Phänologische JahreszeitKalendarischer ZeitraumZeigerpflanze
NachwinterJanuar bis Mitte FebruarSchneeglöckchenschneegloeckchen
VorfrühlingMitte Februar bis Mitte MärzHaselsträucher blühen
ErstfrühlingMitte März bis Mitte AprilForsythien blühenforsythien
Vollfrühling1. bis 3, MaiwocheApfelbaum blühenapfelbluete
Frühsommer4. Maiwoche bis Ende JuniHundsrose blühen hundsrose
HochsommerJuliSommerlinde blühtlinde
Spätsommer1. bis 3. AugustwochePflaumenbaum trägt Früchte
Frühherbstletzte Augustwoche bis Mitte SeptemberBeeren des Schwarzen Holundersholunder
VollherbstMitte September bis Mitte OktoberRosskastaniekastanien
SpätherbstMitte Oktober bis Mitte NovemberHerbstfärbung der Laubbäume
herbstfaerbung
Winterab Mitte NovemberWinterjasmin blühtwinterjasmin

Aber selbst für unsere mitteleuropäischen Verhältnisse gilt der Zusammenhang zwischen Phänologischer Jahreszeit, Kalendermonat und Zeigerpflanze nur mit Einschränkungen. So ist beispielsweise im Vollfrühling die Apfelblüte an der südhessischen Bergstraße längst vorbei, während sie kaum 80 km weiter nördlich in Nordhessen erst in der 4. oder 4. Maiwoche beginnt.

Ein weiteres Problem bei der Definition der Phänologischen Jahreszeiten ist die fortschreitende Klimaerwärmung. Mögen sich einige Politiker auf den in regelmäßigem Turnus wiederkehrenden Weltklima-Konferenzen immer noch über Ursachen und Auswirkungen streiten oder gar eine globale Klimaerwärmung schlichtweg leugnen, bei den Gärtnern ist das Phänomen längst angekommen. So ist beispielsweise die in allen Gartenbüchern noch zu lesende Empfehlung, frostempfindliche Pflanzen erst nach den Eisheiligen ins Freiland umzusetzen, eigentlich längst überholt. Oder gab es in den letzten Jahren schon einmal im Mai noch Minustemperaturen? Und auch die Schafskälte wenige Tage später lässt uns kaum noch frösteln. Die Winter werden kürzer, schneeärmer – wenn überhaupt noch Schnee fällt und liegen bleibt -, aber regenreicher. Aus den gleichen Gründen ist ein hundertjähriger Kalender kaum noch als Orientierung für die im eigenen Garten anfallenden Arbeiten zu gebrauchen, und auch die Bauernregeln verlieren an Gültigkeit.

Hinzu kommt, dass durch die Klimaerwärmung auch die regionalen Unterschiede in der Phänologie der Pflanzen zugenommen haben. Und natürlich spielt auch das kleinräumige Mikroklima eine Rolle bei der jahreszeitlichen Entwicklung der Pflanzen.

Was also bleibt zu tun? Jeder Hobbygärtner sollte das ganze Jahr hindurch ein detailliertes Gartentagebuch führen. Man verliert sonst schneller den Überblick übers Gartenjahr, als man annehmen möchte. Wer weiß schon noch nach 2 oder 3 Jahren, wann die eigenen Apfelbäume geblüht haben, wann die Pflaumen erntereif waren oder wann die ersten Schneeglöckchen auf der Bildfläche erschienen sind. Führt man ein solches Gartentagebuch regelmäßig, dann lassen sich schon nach den ersten 2 bis 3 Jahren Trends im eigenen Garten erkennen. Und dann kann man die abgebildete Tabelle einfach um einige Spalten erweitern und eintragen, von wann bis wann beispielsweise 2017, 2018, 2019 die Schneeglöckchen geblüht haben. Da nicht jeder alle aufgeführten Zeigerpflanzen im Garten pflegt, lassen sich nach und nach auch eigene Zeigerpflanzen definieren.

Trotz aller Einschränkungen hat die Phänologie der Jahreszeiten nicht ihre Bedeutung verloren, man muss die Jahreszeitenuhr nur den Phänomen im eigenen Garten etwas anpassen. Dann lassen sich mit der Zeit die Pflegemaßnahmen so optimieren, dass man reichere Blüten, höhere Ernte, weniger Verluste erzielen kann. Anhänger der Permakultur beherrschen  dies in Perfektion.